Geography of InformationStudienprojekt Digitale Innovationen
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Lukas

Interview verfügbar
Altersgruppe 36-50Stadt Salzburg

Akademisch geprägter Interviewpartner mit aktivem Nachrichtenkonsum und einem ausgeprägten Interesse an pluralistischen Informationsquellen, journalistischer Einordnung und kritischer Medienbewertung.

Frage

Vorab vielen Dank erstmal. Können Sie uns zum Einstieg ganz kompakt von Ihrem beruflichen Werdegang erzählen?

Antwort

Mein beruflicher Werdegang begann ursprünglich in der Forstwirtschaft, ich bin also ursprünglich Förster. Danach habe ich Geoinformatik an einer Fachhochschule studiert und anschließend zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet. Später habe ich ein Doktorat im Bereich räumliche Optimierung begonnen und daneben Mathematik studiert. Danach war ich an der TU Graz, habe dort mein Doktorat abgeschlossen, war Postdoc an der TU Wien, anschließend ein Jahr in der Privatwirtschaft in der Halbleiterindustrie, danach wieder Postdoc in Salzburg bei den Research Studios iSpace und später an der Universität Salzburg. Danach folgten eine Laufbahnprofessur an der TU Graz, die Habilitation im Jahr 2020, eine assoziierte Professur und seit 2024 bin ich hier berufen.

Frage

Welche gesellschaftlichen Werte oder Verhaltensweisen sind Ihnen besonders wichtig?

Antwort

Mir sind Ehrlichkeit, Handschlagqualität, Pünktlichkeit und Leistungsbereitschaft wichtig. Besonders wichtig finde ich, dass man das macht, was man sagt, und nicht ständig Ausflüchte sucht. Außerdem sollte man versuchen, sich mit den eigenen besten Eigenschaften in die Gesellschaft einzubringen und nicht passiv darauf warten, dass andere etwas für einen tun.

Frage

Haben sich diese Werte im Laufe Ihres Lebens entwickelt oder wurden sie Ihnen von Anfang an mitgegeben?

Antwort

Der Gedanke, selbst die Ärmel hochzukrempeln und etwas zu tun, wurde mir schon von zu Hause mitgegeben. Ich bin ganz im Osten Österreichs geboren und habe als Kind noch den Eisernen Vorhang mitbekommen. Dort gab es kaum Möglichkeiten. Man konnte aus dieser Umgebung eigentlich nur durch persönliche Leistung herauskommen. Wenn man sich anstrengte, konnte man etwas erreichen und in die Welt hinausgehen. Das war ein wichtiger Antrieb, der mir mitgegeben wurde.

Frage

Warum haben Sie sich entschieden, an diesem Interview teilzunehmen?

Antwort

Weil mich das Thema interessiert und weil Sie natürlich Interviewpartner brauchen. Da wollte ich nicht zurückstehen.

Frage

Gibt es Personenkreise, in denen Sie den Austausch über Nachrichten bewusst vermeiden?

Antwort

Eigentlich nicht. Das kann aber auch daran liegen, in welcher Bubble ich mich bewege. Ich habe nicht das Gefühl, dass jedes Wort oder jeder Chat sofort öffentlich gegen mich verwendet wird. Deshalb habe ich damit kein Problem.

Frage

Gibt es soziale Kreise oder Orte, in denen Ihnen der Konsum belastender Nachrichten leichter fällt?

Antwort

Nein, ich bin da eher pragmatisch aufgestellt. Ich habe kein Problem damit, auch unbequeme Wahrheiten klar zu benennen. Ich meide Konflikte nicht unbedingt und finde, dass man auch unangenehme Wahrheiten aushalten können muss. Wenn mir jemand den Spiegel vorhält, nehme ich das ebenfalls als wertvolle Außensicht oder Feedback wahr.

Frage

Wie viel Zeit verbringen Sie ungefähr täglich vor Bildschirmen?

Antwort

Viel zu viel. An Arbeitstagen können es oft 15 oder 16 Stunden sein, die ich zumindest teilweise vor dem Computer verbringe. Natürlich mit Pausen dazwischen, aber ich habe häufig sehr lange Tage.

Frage

Gibt es Informationskanäle, denen Sie mehr vertrauen als anderen?

Antwort

Ja, klassische große Leitmedien haben aus meiner Sicht eher journalistische Qualität. Ihnen kann man grundsätzlich mehr vertrauen. Gleichzeitig weiß man, dass bestimmte Zeitungen bestimmte Färbungen oder Meinungsspektren haben. Deshalb vertraue ich nicht nur einem Medium, sondern schaue mir mehrere Seiten an. Wenn man beispielsweise die NZZ und den Standard liest, bekommt man unterschiedliche Perspektiven. Die Wahrheit liegt oft in der Mitte oder es gibt gute Punkte auf beiden Seiten. Pluralistisch und neugierig unterwegs zu sein hilft, ein umfassenderes Bild der Lage zu bekommen.

Frage

Wie unterscheiden Sie zwischen Boulevardpresse und seriösem Journalismus?

Antwort

Boulevardmedien erkennt man oft bereits an der Aufmachung. Wenn es sehr reißerisch ist, Überschriften stark verkürzt sind, großes Bildmaterial verwendet wird und alles auf Clickbait ausgelegt ist, weiß man schnell, dass es höchstens für eine schnelle Schlagzeile taugt. Seriöser Journalismus liefert Hintergrund, Für und Wider und klar dargelegte Fakten. Reißerische Beiträge bedienen eher Echokammern und Bubbles.

Frage

Würden Sie Inhalte aus Boulevardmedien trotzdem teilen, wenn Sie diese interessant finden?

Antwort

Ich würde sie nicht blind weiterleiten. Ich würde sie kritisch anschauen. Es kann ja sein, dass ein interessanter Punkt enthalten ist, den andere Medien nicht aufgegriffen haben. Wenn ich so etwas weiterleiten würde, dann mit einer Einordnung, etwa mit der Frage, ob andere diesen Punkt auch sehen oder bereits auf dem Radar haben. Es geht darum, Checks and Balances zu haben.

Frage

Auf welchen Geräten konsumieren Sie Nachrichten?

Antwort

Auch auf dem Arbeitsrechner. Laufanzeigen in Bussen und Zügen interessieren mich dagegen überhaupt nicht. Wenn ich Nachrichten konsumiere, dann eher aktiv. Wenn ich kurz eine Pause brauche, schaue ich auf ein Nachrichtenmedium, auf LinkedIn oder in Apps wie NZZ, Kleine Zeitung, ORF, Standard oder ähnliche Angebote. Dann versuche ich, mir eine Meinung zu bilden oder Fakten zusammenzutragen.

Frage

Das, was einem in der Umwelt an Bildschirmen begegnet, interessiert Sie also eher weniger?

Antwort

Ja, eigentlich gar nicht. Höchstens für schnelle Schlagzeilen, wenn irgendwo ein Unfall oder etwas Ähnliches passiert ist. Politische oder gesellschaftliche Themen sind meist zu komplex, um sie über solche Anzeigen wirklich einzuordnen. Da lese ich lieber einen gut recherchierten Artikel, für den ich mir fünf bis acht Minuten Zeit nehme.

Frage

Nachrichten haben einen Einfluss auf Ihre Meinung. Berührt Sie das auch emotional?

Antwort

Gewisse gesellschaftliche oder politische Themen können mich schon kurz aufregen oder unrund machen. Ich habe zu manchen Themen eine sehr pointierte Meinung. Besonders bei Fragen wie Finanzierung, Pensionsantrittsalter oder langfristigen gesellschaftlichen Entscheidungen sieht man manchmal aus fachlicher Sicht sehr klar, dass etwas nicht funktionieren kann, während die Politik trotzdem so tut, als sei alles in Ordnung. Diese Ignoranz kann schon bezeichnend sein.

Frage

Sie haben nun zwei Artikel zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gelesen. Welcher Artikel hat Sie mehr angesprochen und warum?

Antwort

Der zweite Artikel hat mich mehr angesprochen. Er wirkte faktenbasierter und stützte sich auf Quellen wie das Institute for the Study of War oder andere Personen, die fundierte Analysen liefern. Der erste Artikel war stärker auf Gefühl und Emotion ausgerichtet und gab mir weniger zusätzliche Informationen. Der zweite Artikel enthielt konkrete Angaben und wirkte für mich deshalb hilfreicher.

Frage

Welchem Verlagstyp würden Sie die beiden Artikel zuordnen?

Antwort

Ich hätte vermutet, dass der zweite Artikel aus einer seriöseren Zeitung kommt, etwa aus einem großen überregionalen Medium. Beim ersten hätte ich eher an einen stärker meinungs- oder emotionsorientierten Text gedacht. Dass der zweite Artikel aus der Bild-Zeitung stammt, hätte ich nicht erwartet.

Frage

Hat Sie diese Auflösung überrascht?

Antwort

Ja, das war interessant. Es zeigt genau, dass man nicht alles über einen Kamm scheren kann. Auch in Medien, von denen man es vielleicht nicht erwartet, kann ein relevanter oder gut recherchierter Punkt enthalten sein. Deshalb muss man Inhalte trotzdem anschauen und bewerten.

Frage

Möchten Sie noch etwas zum Thema Nachrichtenkonsum ergänzen?

Antwort

Ich fühle mich soweit gut. Das Interview war spannend und gut vorbereitet.